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Cyanobakterien im Meerwasser-Aquarium loswerden

Update: Ein der größten Anfängerprobleme, die ich in den letzten Jahren beobachten konnte war, dass zu wenig Strömung im Becken vorhanden war. Mit genügend Stömung haben es Cyanos sehr schwer. Sollten sie dennoch zum Vorschein kommen, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass wirklich zu wenig davon vorhanden ist.

Cyanobakterien gibt es in über 2000 verschiedenen Arten. Da man in den meisten Fällen gerade nicht weiß, mit welcher Art man es gerade zu tun hat, sollte man beim Umgang mit Ihnen den Hautkontakt vermeiden, da manche Arten Cyanotoxine bilden.

Widerstandsfähigkeit durch Ernährungsweise

Denn diese sind dazu in der Lage über Fotosynthese ihre eigene Nahrung zu produzieren. Sie besitzen wie Pflanzen das Fotosynthesepigment Chlorophyll, welches sich bei ihnen im freien Zellplasma der Zelle befindet. Zudem verfügen die Cyanobakterien über verschiedene Hilfspigmente etwa Phycocyanin, Alophycocyanin und Phycoerythrin, welche von speziellen Wellenlängen die Lichtenergie aufnehmen und dann dem Chlorophyll bereitstellen. So werden von den Cyanobakterien mittels Fotosynthese anorganische Nährstoffe zu organischen Verbindungen umgewandelt.

Jedoch verfügen viele Arten der Cyanobakterien über eine weitere Möglichkeit um an Nährstoffe zu gelangen, indem sie im Wasser gelösten atmosphärischen Stickstoff fixieren. Mit Hilfe eines Enzymes wird der gasförmige Stickstoff in Ammonium transformiert, welches den Bakterien dann als Nährstoff dient. Allerdings kann nur entweder die Fotosynthese oder die Stickstofffixierung stattfinden, sodass letztere während der Dunkelphasen betrieben wird.

Da die Cyanobakterien schon bei geringen Lichtmengen fotosynthetisieren und sich auch durch den fixierten Stickstoff während der Dunkelphase mit Nahrung versorgen, sind sie nicht aus einem Aquarium fernzuhalten. Bei einem stabilen Nährstoffhaushalt und einem gesunden Ökosystem stellt eine geringe Grundbesiedlung jedoch kein Problem dar.

Cyanobakterien – Eine Plage!

Problematisch wird es, wenn dieser empfindliche Haushalt aus dem Gleichgewicht gerät. Dies kann schon durch kleine Veränderungen verschiedener Faktoren im Becken entstehen. Ein Überschuss an Nitrat, Phosphat oder Silikat, sowie organischem Kohlenstoff sind chemische Ursachen, die eine solche Plage zur Folge haben können. Aber auch in einer ungeeigneten Beleuchtung kann die Ursache zu finden sein.

Während der Einfahrphase eines Aquariums kann üblicherweise auf dem Bodengrund und dem Riffgestein ein brauner Belag von Kieselalgen entstehen. Bei einem ausgeglichenen Nährstoffhaushalt geht dieser Belag jedoch schon nach einigen Tagen zurück und ist nach ein bis zwei Wochen nicht mehr zu sehen.

Ist die Konzentration an Nährstoffen jedoch erhöht, z.B. durch das zu frühe Einsetzen des tierischen Besatzes, so schließt sich den Kieselalgen häufig eine starke Vermehrung von Cyanobakterien an. Bei Glück im Unglück werden diese nach kurzer Zeit von Fadenalgen verdrängt. Andernfalls werden die Beläge von Bakterien zunehmend dichter, sodass diese wie ein rotbrauner Belag aus Schmieralgen erscheinen.

Häufig wird die ökologische Nische, die durch eine gestörte Bilanz der Nährstoffe entsteht, nicht nur von Bakterien, sondern zudem auch von verschiedenen Algen genutzt. Hieraus entsteht dann eine Mischung, was die Bekämpfung erschwert.

Grundsätzlich kann jedoch bei roten, braunen und sogar schwarzen Belägen von Cyanobakterien ausgegangen werden, da in der meist transparenten Schicht, mit welcher die Bakterien die Oberflächen überziehen, eine hohe Silikatkonzentration vorherrscht. Auf dieser Basis von Cyanobakterien bildet sich dann ein Belag von Kieselalgen. Zusätzlich können sich auch Dinoflagellaten entwickeln, wobei diese frei schwebenden Algen noch problematischer loszuwerden sind.

Physikalische bekämpfung von Cyanobakterien / Cyanophyceae

Eine Weise gegen die unerwünschte Ansiedlung der Organismen vorzugehen, welche sehr schonend für den restlichen Besatz ist, besteht in dem täglichen Absaugen der Beläge von dem Gestein und dem Bodengrund, im Rahmen eines Teilwasserwechsels. Hierbei sollten sämtliche erreichbaren Ansiedlungsflächen von Bakterien entfernt werden. Keinesfalls darf das abgesaugte Wasser gefiltert und zurückgeführt werden. Filtermaterial würde die Bakterien lediglich zerteilen anstatt sie zu entfernen und ein Wachstum so zusätzlich verstärken.

Besonders im Bodengrund reichern sich vermehrt schädlich Substanzen an, sodass dieser bei der Reinigung nicht vernachlässigt werden darf. Hierfür empfiehlt sich die Verwendung eines dünnen Schlauches, wodurch große Mengen an feinem Sediment aus dem Aquarium entsorgt werden können. Ebenfalls gilt es Ablagerungen auf der Dekoration abzusaugen.

Danach sollten die Bedingungen an den Ansiedlungsflächen verändert werden. Hierbei ist besonders auf strömungsarme Bereiche zu achten, in welchen eine mittelstarke Strömung vorherrschen sollte, um Nährstoffdepots zu vermeiden. Insgesamt sollten die im Aquarium vorhandenen Mengen an Bakterienfutter möglichst reduziert werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Anzahl der Fische und somit die Nährstoffkonzentration im Allgemeinen, durch Futterreste und Ausscheidungen zu verringern. So könnte der Nährstoffhaushalt auf einem niedrigen Level gehalten werden.

Weiterhin ist ein regelmäßiger Teilwechsel zwischen 10 – 20% wöchentlich empfehlenswert, um die Konzentration an Nährstoffen gering zu halten. Von mechanischen Filtern ist abzuraten, sollten diese nicht mindestens zwei- bis dreimal wöchentlich gründlich gereinigt werden, da sie sonst durch einen erhöhten Nitratwert mehr Schaden als Nutzen anrichten. Ein effektiver Abschäumer ist an dieser Stelle Grundvoraussetzung, um das notwendige Gleichgewicht wieder herzustellen.

Deutliche Effekte werden bei dieser Vorgehensweise allerdings nur bei einer täglichen Wiederholung erzielt, welcher über einen längeren Zeitraum auch bei einem Rückgang der Bakterien weiterhin einmal am Tag durchgeführt werden muss. Zu einem routinierten Wasserwechsel sollte erst nach dem gänzlichen Verschwinden der Beläge übergegangen werden. Ansonsten ist mit einem Rückfall der Plage zu rechnen.

Unterstützend können längere Blaulichtphasen und kürzere Phasen mit kompletter Beleuchtung geschaltet werden, um die Vermehrung einzuschränken. Die Bakterien benötigen langwellige Spektren, um Fotosynthese zu betreiben, weshalb ihnen bei einem Spektrum zwischen 380 – 450 nm so weniger Nahrung zur Verfügung steht. Vielen Korallen hingegen kommt speziell ein solches Spektrum zugute. Die passende Aquariumbeleuchtung stellt hier einen maßgeblichen Faktor dar. Speziell bei Leuchtstoffröhren und Hqi-Brennern sollte die Haltbarkeit überprüft werden. Denn bei einer langjährigen Nutzung kann sich, durch ein nachlassen der Lichtintensität, das Spektrum in langwelligere Bereiche verschieben. Da dies eine Ausbreitung der Bakterien begünstigt, sollte hier notfalls ein Austausch vorgenommen werden.

Werden bereits kleine Ablagerungen von Cyanobakterien früh erkannt und direkt entfernt, kann so eine schlimmere Plage noch rechtzeitig verhindert werden. Auch, wenn die Stellen scheinbar nur langsam größer werden, ist ein unverzügliches Handeln hier meist die letzte Rettung. Ein geduldiges Abwarten und ein verschieben des Absaugens auf den nächsten Wasserwechsel können eine schnelle Ausbreitung der Bakterien zur Folge haben. In einem Zeitraum von nur wenigen Tagen kann der Bakterienstamm sich explosionsartig erweitern und ist dann nur schwer wieder unter Kontrolle zu bringen. Dieser Prozess erfordert dann ein erhebliches Maß an Ausdauer und Geduld, da er sich über Monate hinziehen kann.

Biologische Methode:

Auch die Wissenschaft versucht schonende Methoden zur Bekämpfung der Bakterien zu entwickeln. Der erfolgreiche Einsatz von Cyanophagen steht in der häuslichen Aquaristik zwar aktuell noch aus, ist jedoch eine in Zukunft äußerst erfolgsversprechende Methode. Momentan steht der Versuch im Vordergrund die Cyanophagen, welche speziell Cyanobakterien als Wirt nutzen, zu isolieren, um diese dann in großen Mengen kultivieren zu können. Gelingt dies, können Cyanophagen künftig zur Bekämpfung der Cyanobakterien eingesetzt werden. So würden keine Nebenwirkungen im Besatz zu verzeichnen sein, da dieser Virus ausschließlich die Cyanobakterien als Wirtszelle nutzt.

Chemische Methode:

Erst als letzte Möglichkeit sollte auf den Einsatz von chemischen Mittel zurückgegriffen werden. Diese sind mit enormen Nebenwirkungen verbunden, sodass ein Verlust von Fischen und Korallen meistens unvermeidbar ist. Deshalb sollten diese in ein Quarantänebecken umgesiedelt werden, bevor chemische Mittel verwendet werden. Denn ein Antibiotika vernichtet nicht nur die Cyanobakterien, sondern darüber hinaus auch viele andere Bakterienstämme, die für den Abbau von Nährstoffen notwendig sind.

Dadurch dass diese Bakterienstämme nun auch in ihrer nützlichen Funktion gestört werden, wird das Aquariummillieu außerordentlich stark beeinflusst, weshalb mit einer Beeinträchtigung der Nitrifikation zu rechnen ist. Damit einhergehende Konsequenzen sind vorher nur schwer zu bestimmen. Sollten die absterbenden Beläge nicht täglich und besonders gründlich abgesaugt werden, gelangen außerdem verschiedene Toxine in das Wasser. Hierin könnten dann zusätzliche Ursachen für die Verluste von Fischen und das Absterben von Korallen liegen. Auch ist es wichtig sich genau an die Angaben zur Dosierung des Herstellers zu halten. Häufig wird das tatsächliche Wasservolumen überschätzt, was daraufhin entsprechend zu einer Überdosierung führt.

Außerdem sollte das Aquarienwasser im Anschluss an eine Behandlung mit Medikamenten mit Aktivkohle gefiltert und mindestens zur Hälfte gewechselt werden, um eine Ablagerung zu vermeiden. Erst nachdem die Rückstände der Medikamente aus dem Wasser beseitigt sind, kann der Besatz wieder in das Becken zurückziehen.

Vorkehrungen treffen:

Zwar ist wie für die meisten Thematiken in der Aquaristik auch hier kein Patentrezept vorhanden, allerdings können die vielfältigen Faktoren für Auslöser einer solchen Plage durch gewisse Vorkehrungen eingegrenzt werden. Hierbei stehen vor allem die Hygiene im Aquarium und das Gleichgewicht im Ökosystem im Vordergrund.

Eine Abschäumung ist einer der effizientesten Wege, um die Nährstoffanreicherung im Aquarium gering zu halten und somit die Vermehrung der Cyanobakterien einzudämmen. Auch gute Strömungsbedingungen und das Vermeiden von strömungsschwachen Stellen sind nützlich um einer Ablagerung von Nährstoffen vorzubeugen.

Weiterhin stellt die richtige Beleuchtung in diesem Fall einen maßgeblichen Faktor dar. Über veränderte Lichtbedingungen lassen sich die Cyanobakterien zwar kaum beeindrucken, da sie sich auch in dämmrigen Licht äußerst wohl fühlen können und dies eher den Korallen als den Bakterien schadet. Dennoch hat sich inzwischen herausgestellt, dass es einen bestimmten Spektralbereich zu vermeiden gilt. Denn Cyanobakterien bevorzugen vornehmlich ein langwelliges Spektrum, also Licht mit einem gelben, orangen oder roten Anteil, hingegen zu den kurzwelligen Farbspektren im blauen Bereich. Daher sollte vorzugsweise blaue Beleuchtung in einem Spektralbereich zwischen 380 und 450 nm verwendet werden. Insgesamt sollte die Aquarium Beleuchtung dann einen Wert von 8.000 – 10.000 Kelvin definitiv nicht unterschreiten und besser einen Bereich von über 10.000 Kelvin aufweisen.

Besonders zu beachten ist dies bei dem Gebrauch von Leuchtstoffröhren, da hier regelmäßig ein Wechsel der Leuchtmittel stattfinden muss. Denn diese lassen über einen längeren Zeitraum hinweg gerade im kurzwelligen Spektralbereich an Leistung nach. Diese Veränderungen sind für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar, können aber reich an Konsequenzen sein.

Ebenfalls gilt es den Leistungsabfall der HQI-Brenner nicht zu unterschätzen und auch hier den Brenner regelmäßig zu ersetzen. Denn sonst sinkt die Lichtfarbe in langwellige Spektralbereiche ab, was wiederum den Auslöser für eine solche Plage darstellen kann. Dies kann dann eventuell schon mit einem einfachen Wechsel des Leuchtmittels oder des Brenners behoben werden und es sollte in diesen Fällen wenigstens ein Versuch stattfinden bevor dann andere Mittel zum Einsatz kommen. Lediglich die LED Beleuchtung kann hier bedenkenlos zum Einsatz kommen, da auch nach einer langen Leuchtdauer kein Verlust selbst in den hohen Spektralbereichen zu verzeichnen ist.